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Termessos

Zu den beliebtesten Reisezielen in der Türkei gehört die türkische Riviera an der Mittelmeerküste des Landes. Die Region ist touristisch voll erschlossen und bietet Unterkünfte aller Couleur, sprichwörtliche Gastfreundschaft, faszinierende Natur und eine unglaubliche Vielfalt an von Menschen in mehreren Jahrtausenden geschaffenen Sehenswürdigkeiten. Für den an der beeindruckenden Geschichte diese Landstrichs Interessierten bietet Termessos ein wahres Füllhorn an geheimnisumwitterten Ruinen, die zur Erkundung förmlich einladen.

Rund ein Jahrtausend Stadtgeschichte

Die Geschichte der Stadt ist bemerkenswert. Die Gegend wurde nachweislich schon in prähistorischer Zeit besiedelt. Eine erste schriftliche Erwähnung liefert Homer in der Ilias. Der Name Termessos leitet sich vermutlich aus der luwischen Sprache ab und setzt sich zusammen aus den Begriffen für Bergstraße und Festung. Und um eine Festung an einer Bergstraße handelt es sich in der Tat, um eine nahezu uneinnehmbare noch dazu. Denn weder die Perser, die seit dem 5. Jahrhundert v.Chr. das gesamte Gebiet der heutigen Türkei besetzt hatten, noch Alexander der Große, der im Jahre 334 v.Chr. mit seiner kampferprobten Armee vor den Toren der Stadt stand, konnten dieses „Adlernest“ bezwingen. Mit den Römern unterhielt die Stadt ein gutes Verhältnis, es wurde im Jahr 72 v.Chr. sogar ein Friedensvertrag geschlossen. In der Folgezeit erlebte die Stadt einen unglaublichen kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung, rege Bautätigkeit setzte ein. Warum die Stadt im 5. Jahrhundert von ihren Bewohnern aufgegeben wurde, ist letztlich nicht bekannt. Als mögliche Gründe werden Wassermangel oder die abgeschiedene Lage angenommen, auch ein Erdbeben könnte der Auslöser gewesen sein, ebenso ist es denkbar, dass der Niedergang des Römischen Reiches eine Rolle spielte.

Lage und Anreise nach Termessos

Der rund 7 Hektar umfassende Güllük Dağı Termessos Nationalpark befindet sich im Taurusgebirge, etwa 30 Kilometer vom Stadtzentrum Antalyas entfernt. Im Herzen dieses im Jahre 1970 gegründeten Nationalparks, der einen faszinierenden Artenreichtum in Flora und Fauna aufweist, liegt der 1663 Meter hohe Berg Güllük, in der Antike als Solymos bekannt. An die Hänge des Berges schmiegt sich in einer Höhe von 1050 bis 1400 Metern das Ruinenfeld, das zu den beliebten Ausflugszielen der Region gehört. Die Öffnungszeiten sind im Sommer täglich von 8.00 bis 17.30 Uhr, im Winter täglich 8.00 bis 16.00 Uhr. Die herrliche Berglandschaft erreicht man von Side kommend über die Nationalstraße D 400. Diese führt am Flughafen vorbei, wo man in Richtung Kemer abbiegt und der Beschilderung Otogar (Busbahnhof) folgt. Weiter auf der Nationalstraße D 650, dieser etwa 15 Kilometer in Richtung Burdur folgen, bis man auf die D350 in Richtung Denizli/ Korkuteli wechselt. Nach weiteren ca. 10 Kilometern erreicht man den gut beschilderten Eingang zum Nationalpark „Termessos Güllük Dağı Millı Parkı“. Im Eingangsbereich des Nationalparks befindet sich ein kleines Museum, das leider nur wenige Exponate aufweist. Eine schmale Straße windet sich in Serpentinen den Berg hinauf bis zum Parkplatz unterhalb der Ruinenstadt. Wer mit dem Bus anreist, steigt in Antalya am Busbahnhof im Bereich „Iliçi“ in einen Bus nach Korkuteli ein. Bei der Abzweigung nach Termessos ist eine Ausstiegsmöglichkeit in der Nähe des unteren Parkplatzes, von dort ist es noch eine Wanderung von etwa 7 Kilometern bis zum Parkplatz am Ruinenfeld. Eine weitere halbe Stunde anstrengender Fußmarsch liegt vor dem Besucher. Man folgt der antiken Königsstraße, die heute eher einen ausgetretenen, ausgespülten und mit Geröll übersäten breiten Pfad darstellt, bis in die obere Stadt. Der Besucher tut gut daran, festes Schuhwerk und strapazierfähige Kleidung zu tragen und eine ausreichende Menge an Trinkwasser mitzuführen. Vor allem im Frühjahr ist es außerdem ratsam, auf den Wetterbericht zu achten, denn plötzliche Regengüsse können die Wanderung auf den unbefestigten Wegen in der Ruinenstadt sehr beschwerlich und gefährlich werden lassen. Der Aufstieg ist zwar mühsam und anstrengend, doch die Besichtigung einer der atemberaubendsten antiken Ruinenstädte der gesamten Türkei entschädigt für die Strapazen.

Theater von Termessos

Theater von Termessos ©iStockphoto/aerobed

Entdeckung und Erforschung von Termessos

Mehr als 1000 Jahre lag schliefen die Bauwerke und Mauern der Stadt einen ungestörten Dornröschenschlaf. Die geschützte Lage sorgte dafür, dass sehr viele Überreste der antiken Gebäude dem Besucher einen Eindruck vergangener Pracht und Größe vermitteln. Allerdings ist die Stadt in archäologischer Hinsicht bis heute kaum wirklich erschlossen. Im Jahre 1842 entdeckten englische Archäologen die vergessene Stadt. Aber es sollten noch einmal knapp 40 Jahre vergehen, bis ein Forscherteam, das unter der Leitung des aus Wien stammenden Grafen Karol Lanckoronski stand, die systematische Erkundung betrieb. Nun wurde die Stadt sorgfältig vermessen, es wurden Zeichnungen und Fotografien angefertigt. Diese Unterlagen erwiesen sich von unschätzbarem Wert, da mehrere Bauwerke in den folgenden Jahren einstürzten. Dank der vom österreichischen Forscherteam angefertigten Aufzeichnungen konnten diese rekonstruiert werden und so präsentiert sich dem Besucher heute das einzigartige Bild einer nahezu unverfälschten antiken Stadt.

Die Königsstraße

Der Rundgang durch Termessos beginnt unweigerlich auf der antiken Königsstraße, die allerdings dem Namen heute kaum gerecht wird. Doch auf diesem geröllbesäten Pfad durch das unwirtliche Dickicht ritt einst König Attalos II von Pergamon in die Stadt ein. Die Königsstraße ist ausgeschildert („Giriş Yolu“) und beginnt am Parkplatz auf der dem Hadrianstor gegenüber liegenden Seite. Sie führt an den Überresten des Stadttores vorbei. Die Reste der Stadtmauern, auch der Wachturm, von dem noch mehrere Reihen mächtiger Steinquader zeugen, vermitteln einen Eindruck von der wehrhaften Befestigungsanlage.

Gymnasium von Termessos

Im 2. Jahrhundert v.Chr. wurde das Gymnasium errichtet, welches eine Länge von 91 Metern aufweist, mit 14,5 Metern Breite jedoch auffallend schmal ist. Offenbar ließ die Hanglage eine andere architektonische Lösung nicht zu. Das römische Bad, das sich am östlichen Ende befindet, ist eindeutig jüngeren Datums und entstand vermutlich zur Hochblüte römischer Zeit. Der Weg vom Gymnasium in Richtung Theater bietet zwar wegen seines unvergleichliches Ausblicks ein ganz besonderes Erlebnis, ist aber nur für geschickte und belastbare Wanderer zu empfehlen. Die bequemere Strecke führt über die Königsstraße zurück zum Theater.

Theater von Termessos

Die Lage des Amphitheaters in dieser einzigartigen Bergkulisse ist sagenhaft und bietet eine atemberaubende Fernsicht bis nach Antalya. Von der einst so stolzen Anlage sind Teile der Zuschauerreihen und des eigentlichen Bühnengebäudes erhalten. Der mehr als halbkreisförmige Zuschauerraum lässt den Schluss zu, dass das Theater, das mit einem Radius vom 33 Metern relativ klein ist, bereits in hellenistischer Zeit entstand, da die römischen Theater lediglich einen Halbkreis aufweisen. Der Bau des Theaters stellte sicherlich eine große Herausforderung an die Fähigkeiten der Architekten dar, denn es musste den örtlichen Gegebenheiten angepasst und auf engstem Raum errichtet werden. Es bot Platz für etwa 3400 Zuschauer, die in römischer Zeit nicht nur Zeuge von Theateraufführungen wurden, denn zu jener Zeit fanden im Theater auch Gladiatorenkämpfe statt.

Odeon und Artemistempel

Unweit des Theaters befinden sich die Überreste der beiden Artemistempel, leider ist von dem größeren nicht mehr viel erhalten, der kleinere jedoch weist Wände und die Überbleibsel einiger Tore auf. Durch Inschriften ist belegt und der Nachwelt überliefert, dass Aurelia Amasta die Stifterin des Bauwerks war. Auch das Odeon, das Rathaus der Stadt, befand sich in der Nähe des Theaters, leider sind auch von diesem imposanten Gebäude, dessen Innenraum mit Geröll und Gestrüpp bedeckt ist, nur noch Reste erhalten, die die einstigen Ausmaße erahnen lassen.

Kolonnadenstraße

Eine Kolonnade ist ein Säulengang, der im Gegensatz zur Arkade kein gewölbtes, sondern gerades Gebälk aufweist. Die Kolonnadenstraße von Termessos bestand aus 47 Säulen, einige der früher zahlreichen Statuen kann man heute im Museum in Antalya bewundern. Die Kolonnadenstraße bildete gewissermaßen den Mittelpunkt der antiken Stadt. Beidseits der Straße befanden sich kleinere Gebäude, Läden, Säulenhallen und kleine Tempel. Die Straße führt bergauf zum Marktkomplex der Stadt, hier befanden sich die Zisterne und die große Agora, die nicht nur dem Handel, sondern auch als Versammlungsort diente. Die Kolonnadenstraße führt unter anderem zu den Ruinen der Stoa, also eines Lehrhauses, des Osbaros, der im ersten nachchristlichen Jahrhundert ein Oberhaupt der Stadt war. Auch das Heroon der Stadt befindet sich in diesem Komplex.

Nekropole und Grab des Alketas

Termessos weist mehrere Nekropole auf, die ausgesprochen sehenswert sind. Verschlungene Pfade führen zu den einzelnen Begräbnisstätten, unter anderem vorbei am „lykischen Grab“. In der südlichen Nekropole sticht vor allem das Löwen-Grab hervor. Es handelt sich um einen auch heute noch fast unbeschädigten Steinsarkophag mit Löwenreliefs, der die Jahrhunderte überdauert hat. Auch das Grab des Alketas gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der antiken Ruinenstadt. Der General Alexander des Großen, der nach dem Tod des Feldherren in der Stadt Zuflucht gesucht hatte, beging nach einem Verrat Selbstmord und wurde ehrenvoll begraben. Am Grabmal sind Reliefs erhalten, die einen Adler, der eine Schlange in den Klauen trägt, und den General hoch zu Ross zeigen.

Hadrianstor

Am Ende des Rundgangs erreicht man wieder den Parkplatz, dort befand sich früher der sicherlich imposante Hadrianstempel, von dem noch das zwei Meter breite und vier Meter hohe Hadrianstor zeugt. Eine Inschrift auf dem oberen Torbalken gibt deutlichen Hinweis auf den Tempel, der zu Ehren des römischen Kaisers Hadrian errichtet wurde. Leider blieb von diesem Bauwerk außer dem Tor nichts erhalten.

Fazit

Wer einen Urlaub an der türkischen Riviera verbringt, sollte unbedingt einen Ausflug nach Termessos einplanen. Die Besichtigung dieser einzigartigen Ruinenstadt stellt ein unvergessliches Erlebnis und eine Bereicherung des Urlaubs dar. Nicht nur die Überreste der antiken Bauwerke faszinieren, sondern auch die Tatsache, dass es sich hier um eine komplette Stadt handelt, die tiefe Einblicke in das Leben vor rund 2000 Jahren erlaubt.